Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Sehr oft wird von Nicht-Verbindungsstudenten im Gespräch über Korporationen gefragt: Wozu das alles? Was bringt es, korporiert zu sein?

In der Regel sind damit – die seitens der Medien und durch die 'traditionellen' Verbindungsgegner stets mit uns suggerierten – unausgesprochenen Privilegien gemeint, die uns durch unsere Bandaufnahme erwachsen wären bzw. die sich der Frager für sich erhofft, wenn er mit dem Gedanken spielt, bei uns einzutreten. Diese Frage ist jedoch nicht so einfach zu beantworten.

237_grErstens spiegelt sie häufig artikulierte Vorurteile über Männerbünde/ Bruderschaften/ Studentenverbindung wider, die stets einen tieferen Zweck, ein Arkanum intendieren, was jedoch bei uns nicht der Fall ist. Wir sind kein Geheimbund.

Zweitens drückt die Frage eine in der Gesellschaft leider zunehmend als normal empfundene Nehmer-Mentalität des Fragers aus, denn der Subtext lautet ja eigentlich: ‚Was bringt es MIR, euer Band aufzunehmen?’ ‚Was könnt Ihr MIR geben?’ ‚Inwiefern lohnt es sich für MICH?’

F.E.D. Schleiermacher 'Sobald man die Gesellschaft nur als Mittel für den Egoismus braucht, muss alles schief und schlecht werden.' Wer jedoch schon vor dem Beginn einer etwaigen Mitgliedschaft nach dem ‚Lohn’ am Ende fragt, der ist bei uns falsch! Prädikatsexamen, berufliche Karriere, offene Türen und/ oder exorbitante Einkommen garantieren wir niemandem. Wir sind kein Lions-Club, keine Rotarier, keine Networker.

Wer im Leben etwas zu werden wünscht – sei es akademischer oder ökonomischer Art – der ist selbst seines Glückes Schmied.

Wozu dann das Band aufnehmen?

238_grSinn und Zweck unseres Bundes ist der Selbstzweck. Es geht darum, den Stress, den ein Studium, eine berufliche Laufbahn, eine Familie naturgemäß mit sich bringt, mit einer epikureischen Lebenslust zu kombinieren. Das soll nicht heißen, dass das Tragen eines Bandes eine Stressbewältigungsstrategie darstellt. Vielmehr ist die Zeit als aktiver Bursch mit Verantwortung und Arbeitsaufwand verbunden. Doch genau dieser 'Stress', dem wir uns neben den o. g. anderen Alltags-Stressoren noch ehrenamtlich aussetzen, prägt uns für unser gesamtes Leben. Wir wachsen mit und an unseren Aufgaben und werden somit indirekt gefördert, indem wir direkt gefordert werden.

Fördern durch Fordern - Entwicklung in einer Gemeinschaft

Der bekannte preußische Philosoph, Theologe und Pädagoge Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher (*1768, †1834) – selbst bekennender Anhänger und regelmäßiger Nutznießer der Berliner Salonszene seiner Zeit – sah in der gesellschaftlichen d. h. in der geselligen Betätigung ein konstitutives Element für eine Erfolg versprechende Sozialisierung junger Menschen: „Es ist ein gemeinsames Leben für die Jugend zu organisieren, in welchem das Gemeingefühl erregt und entwickelt werden kann.“ (Schleiermacher: „Die unterstützende Tätigkeit.“, 1826) Insbesondere heute, da sich unsere Nation weitgehend weg von einer Industrie- hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt hat bzw. noch dabei ist, diese Entwicklung durchzumachen, werden die Rufe nach so genannten soft skills, die immanent wichtig seien, um ökonomisch bestehen zu können, immer lauter. Diese Fähigkeiten erlernen und trainieren wir in umfassenderem Maße als es zurzeit in Schule und Universität getan wird, ja getan werden kann.

F.E.D. Schleiermacher '... was rein aus Überlegung hervorgeht, stützt sich auf einen Kalkulus, nicht auf Begeisterung, und hebt diese auf.'D A S ist der Vorteil, der uns erwuchs, als wir in unsere Landsmannschaft eintraten und das ist auch der Vorteil, der Dir erwachsen werden wird, wenn Du Dich traust, den gleichen Weg zu beschreiten. Vorherige Kosten-Nutzen-Rechnungen erweisen sich diesbezüglich jedoch als irreführend, denn der Aufwand des Aktivseins lässt sich zwar durch die Semesterbeiträge und die Zahl der Pflichtveranstaltungen relativ gut umreißen, der Nutzen in Form immaterieller Fähigkeiten sowie abstrakter Werte, wie zum Beispiel Freundschaft, ist nicht zu ermitteln. Eine solche Rechnung kann also nur der im Nachhinein anstellen, der zuvor in unseren Bund eingetreten ist.

Frage Dich also selbst!:
  • Bist Du männlich?
  • Bist Du ein geselliger Mensch?
  • Studierst Du in Berlin oder Potsdam?
  • Magst Du es, neue Leute kennen zu lernen?
  • Bedeutet Dir wertorientiertes Handeln etwas?
  • Möchtest Du Dich über den eigenen Tellerrand hinaus bilden?
  • Bist Du willens, Dich aus altruistischen Gründen in eine Gemeinschaft einzubringen?

239_grWenn Du diese Fragen an Dich selbst mit einem ehrlichen ‚Ja’ beantworten kannst, dann solltest nicht nur in Erwägung ziehen, möglicherweise einmal bei uns einzutreten. Nein, dann ist dieser Schritt zwingend notwendig, denn von der Idee her bist Du schon einer von uns. Dir fehlen eigentlich nur noch die ‚Requisiten’, die wir Dir geben können und gern zu geben bereit sind.